Wie verärgert man mittels Call-​​Center potentielle Kunden — Garantiert?

Call­cen­ter rüs­ten auf: Ruf­schä­di­gung für Auf­trag­ge­ber inklusive

Gerade blät­tere ich in den Maga­zi­nen „Aquisa“ und „direkt mar­ke­ting“ und lese wie wich­tig es ist Kun­den­kon­takte zu pfle­gen und dass ein moder­nes Unter­neh­men heut­zu­tage selbst aktiv an Social Networking-​​Plattformen teil­neh­men sollte um auf jeden Fall mit­zu­krie­gen, was die Ziel­gruppe so umtreibt — da läu­tet mal wie­der das Tele­fon — und zwar genau ein­mal, also nicht lange genug um ran­zu­ge­hen. Da dies in den letz­ten Tagen schon mehr­mals pas­sierte und ich glaube mich zu erin­nern, dass jedes­mal eine 071… Num­mer auf dem Dis­play erschien, gehe ich der Sache nach.

Die Anru­fer­num­mer 07131973383107 aus dem Tele­fon gekramt und in Google ein­ge­ge­ben: bereits der erste Tref­fer ver­weist mich auf Dis­kus­si­ons­bei­träge der Web­seite www.whocallsme.com. Aha, es gibt also außer mir noch viele andere, die sich durch Anrufe von die­ser Num­mer beläs­tigt füh­len. …und noch­mehr aha: ursäch­lich für den Anruf ist wohl der Heinrich-​​Bauer-​​Verlag. Der Ver­lag ist mir natür­lich bekannt und was sei­nen Ruf angeht hielt ich ihn bis heute eigent­lich für eines der seriö­se­ren Medienunternehmen.

Warum ich ange­ru­fen werde weiß ich nicht. Dass man mir am Tele­fon etwas ver­kau­fen will ver­mute ich. Dass man mich aber mit einem Com­pu­ter anruft der dann aber die Ver­bin­dung been­det bevor man ran­geht ist nicht nur läs­tig, son­dern eine Unver­schämt­heit.

Warum soll­ten Maschi­nen unfreund­li­cher sein dür­fen, als Menschen?

Die meis­ten Men­schen die ich kenne emp­fin­den es als unfreund­lich, wenn man ange­ru­fen wird und der Anru­fer ein­fach auf­legt. Hat man sich ver­wählt, dann sagen freund­li­che Men­schen ein „Ent­schul­di­gung, ich habe mich ver­wählt“ in den Hörer, bevor sie auf­le­gen. Lässt man von einem Com­pu­ter Mil­lio­nen­fach Anrufe aus­füh­ren um dann auf­zu­le­gen ist das nach mei­nem Emp­fin­den eine deut­li­che Aus­sage wel­che Wert­schät­zung der Anru­fer gegen­über den Ange­ru­fe­nen hat, näm­lich keine hohe. Die Ange­ru­fe­nen sind eigent­lich egal, ihre Zeit ist nichts wert, man kann sie beläs­ti­gen und im eige­nen Sinne beschäf­ti­gen, wie es einem am bes­ten in den Kram passt, Haupt­sa­che man kann ihnen mög­lichst kos­ten­güns­tig etwas aufs Auge drücken.

Was will man uns damit sagen: „Kunde, Du gehst mir am A.. vorbei“?

Das ver­mute ich, denkt der Hein­rich Bauer-​​Verlag über seine Ziel­gruppe– und alle ande­ren, wel­che diese moder­nen Beläs­ti­gungs­tech­ni­ken nut­zen. Wer so über mich denkt — mit dem werde ich mit Sicher­heit nie wie­der irgend­wel­che Ver­träge abschließen.

Auto­ma­ti­sier­tes Klingelputzen

Kin­der spie­len manch­mal „Klin­gel­put­zen“:sie klin­geln an frem­den Tür­klin­geln und wenn dann jemand kommt und nach­sieht wer da war, dann wird sich ver­steckt. Je mehr sich der Beläs­tigte auf­regt — umso bes­ser, Die moder­nen Call-​​Center set­zen noch eins drauf, sie glau­ben schein­bar allen erns­tes, dass der Beläs­tigte viel­leicht auch noch Kunde wird? Liebe Kin­der, pro­biert es mal aus: klin­gelt ein paar­mal und ver­steckt euch und dann beim fünf­ten mal fragt ihr den Generv­ten, ob er bei euch nicht viel­leicht eine Zeit­schrift abon­nie­ren will. Ver­mut­lich sind 10jährige nicht so dumm an den Erfolg sol­cher Mar­ke­ting­maß­nah­men zu glau­ben — der Hein­rich Bauer-​​Verlag aber schon. In mei­ner Kind­heit hät­ten wir zudem auch noch um unsere kör­per­li­che Unver­sehrt­heit fürch­ten müs­sen: „den Hosen­bo­den glatt ziehen“ — nannte man die Reak­tion generv­ter Zeit­ge­nos­sen. Aber die Zei­ten ändern sich, heute freuen sich Beläs­tigte und schlie­ßen aus lau­ter Dank­bar­keit ein Zeit­schrif­ten­abo ab!????

Selbst wenn diese Aktio­nen sich für den Ver­lag „unterm Strich“ rech­nen, dann bleibt ein Kos­ten­fak­tor unbe­rück­sich­tigt: Der Rufscha­den, den der Hein­rich Bauer-​​Verlag durch seine Kam­pa­gne erlei­det. Wer wie ich im Wer­be­be­reich arbei­tet, der weiß wie teuer es ist eine Marke auf­zu­bauen und wel­chen gro­ßen Wert eine starke Marke dar­stellt. Die­sen Wert durch Mar­ke­ting­maß­nah­men zu schä­di­gen ist wohl so ziem­lich das Dümmste, was man machen kann. Die­sen Tipp sollte ich dem Ver­lag eigent­lich im Rah­men eines Bera­tungs­auf­tra­ges geben und ihm dafür eine saf­tige Rech­nung stel­len — aber das über­lasse ich Kol­le­gen. Von mir gibt´s sol­che Tipps gratis.

Rein pri­vat freue ich mich auf meine nächste Tele­fo­nie­soft­ware: Diese soll auf jeden Fall in der Lage sein Anru­fer­num­mern mit einer Black­list zu ver­glei­chen und bestimm­ten Num­mer indi­vi­du­elle Sprach­da­teien abzu­spie­len. Damit wird es mir mög­lich sein mit den eige­nen Waf­fen zurück­zu­schla­gen und den Call­Cen­tern das zu neh­men, was sie mir rau­ben und selbst am wenigs­ten haben: ZEIT.
Bis dahin begrüße ich Call-​​Center-​​Belästiger freund­lich, bedanke mich für ihren Anruf und ver­binde sie an eine nicht vor­han­dene Neben­stelle. Inter­es­sant, wie lange die armen „Agents“ dran­blei­ben, bis sie auf­le­gen. Die meis­ten war­ten zwi­schen 3 und 4 Minu­ten. …und tschüss!

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